Die Geburt Christi scheint vertraut. doch vieles von dem, was wir sehen, steht so gar nicht in der Bibel. Ochs und Esel, Stall und Krippe: Selbstverständliche Bestandteile der Weihnachtsvorstellung erweisen sich bei genauerem Hinsehen als spätere Ergänzungen, Deutungen und Bildfindungen. Die Kunsthistorikerin Dr. Johanna Scheel zeigt in Ihrem Online-Vortrag, wie sich die Darstellung der Geburt Christi im Mittelalter entwickelt. zwischen biblischer Grundlage, Legendenbildung und visionären Umdeutungen. Ein besonderer Fokus liegt auf prägenden Wendepunkten: von der ersten „lebendigen Krippe“ des Franz von Assisi bis zur eindrücklichen Vision Birgittas von Schweden, in der die Geburt zur stillen Anbetung wird. Anhand ausgewählter Werke mittelalterlicher Kunst wird sichtbar, wie Künstler die Szene immer wieder neu gestalten – und wie aus einer vermeintlich klaren Erzählung ein vielschichtiges Bildprogramm entsteht.