Paradiesgärten scheinen auf den ersten Blick zu den besonders schönen und leicht verständlichen Bildwelten des Mittelalters zu gehören – und dekorativ sind sie auch! Doch gerade der Garten erweist sich bei näherem Hinsehen als erstaunlich komplexer Denk- und Bildraum.
Ausgehend vom Frankfurter Paradiesgärtlein und der Ausstellung „Willkommen im Paradies“ verfolgt der Vortrag, wie sich Garten-, Natur- und Marienikonografie in der spätmittelalterlichen Frömmigkeit miteinander verschränken. Dabei spannt sich ein weiter Bogen vom verlorenen Paradies Adams und Evas über Maria als neue Eva und „hortus conclusus“, den geschlossenen Garten, bis zur Hoffnung auf das kommende Paradies.
Bäume, Wurzeln, Blumen und Wasser führen dabei in ganz unterschiedliche theologische Bildwelten – von der Wurzel Jesse und dem Lebensbaum bis zum Brunnen des Paradieses. Vegetabile Bilder sind also keineswegs nur dekorative Naturbeschreibung oder ein religiöser Symbolcode, den es lediglich zu entschlüsseln gilt. Gerade im Kontext persönlicher Andacht sprechen sie Sehen und Imagination der Betrachter an und lassen aus dem äußeren Garten einen inneren Denk- und Andachtsraum entstehen. Wer beim mittelalterlichen Paradiesgarten an ein hübsches Blumenidyll denkt, darf sich also überraschen lassen!